Werkbeschrieb
In «I did what I could» malt Milva Stutz einen intimen Moment in der Beziehung zwischen drei Menschen. Ein Kleinkind wird von zwei auf dem Boden knienden Elternteilen in einer freistehenden Wanne inmitten eines leeren, gefliesten Raumes gebadet. Die Eltern sind zum Kind geneigt, ihre Arme erscheinen geisterhaft halbtransparent als würden sie im Hintergrund verschwinden. Ihre übergrossen und scheinbar knochenlosen Hände mit Fingern wie Nabelschnüre halten den Körper des Babys. Das Kind fasst der Mutter an den Arm. Die Lila- und Blautöne der Malerei erinnern an die zarte Farbe der Haut und darunterliegenden Adern. Das Medium der Pastellkreide unterstützt das Fragile und Durchschimmernde, die Kleinfamilie verschmilzt zu einem Gemeinsam.
Die schauenden Augen im kreisrunden Gesicht des Kleinkindes ziehen die Bildbetrachtenden in ihren Bann. Die wachenden Augen der Eltern sind auf das kleine Wesen zwischen ihnen gerichtet. Die Mutter hält das Kind leicht aus dem Wasser, der Vater kippt die Wanne leicht zu den Bildbetrachtenden. Sie scheinen es gleichzeitig zu umsorgen und zeigen zu wollen.
Stutz zeigt die Figuren in ihren Werken oft in Momenten, die sich bereits im nächsten Atemzug verflüchtigen. In ihren Arbeiten hinterlässt die Künstlerin Spuren; sie arbeitet tastend und unmittelbar, verwischt und verschmiert die trockenen Malmaterialien direkt mit den Fingern. Ihr Blick auf die Figuren ist liebevoll und scharf. Im künstlerischen Schaffen untersucht Stutz menschliche Beziehungen, Intimität, Solidarität und was es heisst, Teil einer Gesellschaft zu sein.
Stefanie Julia Janssen, 2026.