Kunstsammlung
Kanton Zürich

Die Kunstsammlung des Kantons Zürich ist seit 1908 eine Fördersammlung. Mit Werkankäufen und Kunst und Bau-Projekten werden Zürcher Kunstschaffende unterstützt.

Lapdog
Künstler*in
Datierung
2021
Material/Technik
Kohle und Pastellkreide auf Papier
Gattung
Arbeiten auf Papier
Massangaben
Blattmass: 190.0 x 150.0 cm Rahmenmass: 206.0 x 165.0 x 5.0 cm
Inv.-Nr.
20074
Bildcredit
Kilian Bannwart
Werkbeschrieb
Nicht in Öl auf Leinwand – bestimmt für das Überdauern von Jahrhunderten –, sondern in Pastellkreide und Kohle auf Papier erhebt Lapdog (2021) von Milva Stutz (*1985) den Anspruch eines Herrscher:innenporträts. Lapdog folgt tradierten Konventionen und erschüttert diese gleichsam in deren Grundfesten. Wir fühlen uns erinnert an Jan Seiseneggers Kaiser Karl V. mit Ulmer Dogge (1532) oder Anthonis van Dycks James Stuart mit Greyhound (ca. 1633–1635). Kongruenzen finden sich in der Überwältigung aus dem monumentalen Format und der Autorität der Figur. Die förmlichen Staatsportraits hatten dem Gebot der Ebenbildlichkeit zu folgen und gleichermassen eine überpersönliche Aura zu entfalten. Bei Stutz entwickelt sich die Persönlichkeit zwischen damenhafter Zartheit und anarchischer Unabhängigkeit; sie gewinnt ihre Präsenz nicht aus repräsentativer Kleidung und einem Tier reinster Zucht, sondern sie überzeugt mit Gelassenheit und unantastbarer Überzeugung. Überlebensgross ins Format gesetzt, ruht die Figur in einer üppigen, textilen Landschaft, die jedes Raumgefühl unterläuft. Das ausladend wallende Gewand und die umfliessende, aus Stoff modellierte Topografie bilden ein nicht zu trennendes Amalgam. Milva Stutz’ Figuren haben oft einen Anklang von Genderfluidität… wie hier das etwas herbe Gesicht und die massigen Hände, die eine französische Bulldogge auf dem Schoss halten. Figur und Tier fixieren die dem Werk gegenübertretende Person. In den leicht zugekniffenen Augen der Figur liegt etwas Analytisches, alles Durchdringendes; jene des Tiers sind hypnotisch aufgerissen. In Lapdog legt sich ein spektraler Farbschimmer zwischen den kräftigen, organischen Kohlestrich – wie ein regenbogenhaftes Nordlicht flackert ein zartes und zugleich leuchtendes Kolorit über der oberen Bildhälfte. Zuckriges, intensives Pink schimmert auf ihren Lippen und gleiches legt sich um die wässrig-blauen Augen. Wie Flaggen für die freiheitliche Vielfalt gestalten sich die Oberflächen der langen, wehrhaften Fingernägel. Lapdog ist ein gleichermassen ruhendes wie lautes Werk, das von Emanzipation und Selbstermächtigung kündet. Tyrone Schorrer, 2026
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